Eine neue, ganz andere Art von Leidenschaft in einer "Weiblich Geführte Ehe" oder FLR (=Female- Led- Relationship) ? Dieser in den USA und England zunehmend verbreitete Lebensstil verdient es, auch im deutschsprachigen Raum diskutiert zu werden. Wir freuen uns über Kommentare, Einfälle, Geschichten und Meinungen.

Samstag, 12. Januar 2008

Vanilla und Dominanz /Submission

Ein Urteil über Dinge zu fällen, ist nicht immer einfach. Dabei ist nicht nur das "moralische" Urteil gemeint, auch das "geschmackliche": wie gefällt einem etwas?
Und natürlich muss und kann man über Dinge urteilen, die man selbst nicht erfahren hat, wie z.B. Katastrophen, Verbrechen etc.: Man muss es nicht selbst durchlebt haben um zu wissen, dass man es nicht erleben möchte.
Genauso, wie manche sich ein 3-Sterne-Menue vorstellen können, serviert z.B. an einem karibischen Strand unter Palmen: die meisten haben so etwas noch nicht erlebt, können sich aber vorstellen, dass sie es mögen würden.
Alleine schon, wie es von aussen aussieht, wenn man so einen Strand oder so ein Menue in einem Film sieht- oder beides! Man würde also positiv urteilen, ohne es wirklich erlebt zu haben.

Mit anderen Genüssen des Lebens ist es ein wenig anders. Die Praxis von D/s-Leidenschaft (D/s= Dominanz und Submission ) zum Beispiel sieht für Unbeteiligte nicht immer nur appetitanregend aus, und alleine die Vorstellung davon schreckt viele eher ab, viele, die -hätten sie es erst einmal erlebt- durchaus Gefallen daran finden könnten.

Hat man solche Leidenschaft aber einmal erlebt oder ausprobiert, dann ist es etwas anderes. Ähnlich dem puren Sex -oder mehr noch- können D/s- Spiele eine Faszination bekommen, die sich nicht beschreiben lässt, die eben magisch ist. Und die sieht man ihr nicht ohne Weiteres an.
Manche übersetzen deshalb auch "SM" nicht mit dem schnöden "Sado- Masochismus", sondern mit "Sexueller Magie".
Anders als beim normalen, dem "Vanille-Sex" spielt Macht hier eine grössere Rolle und eine "Rangordnung" der Partner- zumindest während des Spiels. Hinzu kommt, dass sehr tiefsitzende Wesensanteile plötzlich angerührt werden, deren sich der zivilisierte Mensch zunächst vielleicht schämen könnte. Sie sind aber sehr wirksam - unter der Oberfläche.
Es werden Empfindungen und Genüsse wahrgenommen, die den normalen Alltagserfahrungen geradezu entgegenlaufen und "einfach so" nicht verstanden werden können.
Und doch sind sie manchmal überwältigend, unvergleichlich und geradezu süchtigmachend. Allerdings kann man über sie nicht beim 5-Uhr- Tee plaudern; jedenfalls nicht so einfach und mit jedem...
Und man kann über sie kein Urteil fällen, wenn man sie nicht ansatzweise schon einmal erlebt hat.
Deshalb ärgern mich immer die Kommentare von manchen Leuten, wenn sie irgendwo, z.B. im Fernsehen angedeutete SM- Situationen sehen. Die meisten beeilen sich schnell ihre Meinung kund zu tun. "Ih- gitt, sowas finde ich pervers. Wie kann man nur so blöd sein, das tut doch weh." Damit auch bloß keiner drauf kommen könnte, ihnen könnte so etwas gefallen. Vielleicht ist ihnen auch insgeheim eine solche Leidenschaft bewusst, wer weiß das schon. Es heisst, es sei häufiger der Fall, als man das so denkt. Warum nicht?

Hinzu kommt die -aus meiner Sicht am ehesten verständliche- ästhetische Empörung: es sieht eben nicht immer besonders schön aus, wenn aus Gründen der Lust Dinge praktiziert werden, die anderswo und zu anderer Zeit die Scham verletzten, die Würde untergraben. lächerlich wären oder einfach nur Schmerzen bereiten.

Trotzdem hat man den Eindruck, dass die Zahl derer durchaus wächst, die sich für einen "alternativen" Lebens- und Liebesstil wie z.B. der Weiblich- Geführten Ehe in diesem D/s Sinne begeistern können.
Zum Schluss wollen wir gerne Dianna Vesta zitieren, eine berühmte und, was noch wichtiger ist: sehr erfahrene New Yorker Domina:

"Dominanz ist eine besondere Magie, welche alle Schichten unserer Existenz durchdringt. Die, die sich entscheiden ihre Essenz kennen zu lernen und zu verehren, werden sich ihrer brennenden Wildheit ergeben.
Die, die sie ignorieren werden verrückt, denn ihr Fleisch wird sich nach ihr sehnen.
Die, die es nach dem Kuss der Peitsche verlangt, werden nicht mehr die selben sein und ihr Fleisch wird schreien, wenn er fehlt."
übersetzt von Achatz nach einem Zitat von Dianna Vesta

Klingt doch ermutigend, oder?

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Sie ergänzt einige gute Punkte gibt. Ich habe eine Suche zum Thema und fand die Mehrzahl der Menschen die gleiche Meinung mit Ihrem Blog.