Eine neue, ganz andere Art von Leidenschaft in einer "Weiblich Geführte Ehe" oder FLR (=Female- Led- Relationship) ? Dieser in den USA und England zunehmend verbreitete Lebensstil verdient es, auch im deutschsprachigen Raum diskutiert zu werden. Wir freuen uns über Kommentare, Einfälle, Geschichten und Meinungen.

Donnerstag, 22. November 2007

Anfänge von Submissivität (2)

"Männer sind fasziniert vom Körper der Frau. Sie wollen daran teilhaben und ihn verstehen. Oft ist Sex eine Form von Anbetung und Respekt vor der Frau, besonders beim submissiven Mann...
Er sehnt sich nach ihr (der "Gebieterin"), damit sie ihn das große Mysterium der Frau lehrt."

(
Übersetzung Achatz Das Original stammt von Dianna Vesta, einer berühmten amerikanischen Domina : Men are fascinated with a woman's body. They want to be a part of it and to understand it. Often sex is a type of adoration and respect for woman, especially in the case of a submissive man... He longs for her [the ’domme’] to teach him about the great mystery of woman.")

Dieses Statement betrifft die meisten Männer.
Vielleicht ist der Anfang männlicher Submissivität nur eine gesteigerte Begeisterung für das Weibliche, welches an sich schon "Anbetung" erfordert, und dem man irgendwie dienen will, um ihm nahe zu sein.
Es hat auch mit dem männlichen "Jagdtrieb" zu tun: was kann er tun, um IHR nahe zu sein, selbst wenn er erkannt hat, dass sie ihm niemals ganz "gehören" wird (was ja auch langweilig wäre, denn die Jagd ist das Thema und nicht der Besitz).
Jedes Zeichen einer grösseren Nähe ist ein Jagderfolg für ihn, und da er sie nicht (mehr) einfach unterwerfen kann, unterwirft er sich eben selbst: IHR und er hat die Nähe, die er suchte.
Erst einmal.

Das Weibliche als das Unerreichbare und das Intime (manchmal und manchmal auch nicht): solange ein Mensch fühlen kann, reicht das zurück: immer schon war alles weiblich um ihn, schon im Mutterleib. Es herrschte über Tag und Nacht, Essen und Trinken, korrigierte, disziplinierte wie auch immer, ernährte und spendete alles, was einer zu Leben benötigt. Liebe eben.
Dann
das Überlegene,später; das ist heute kaum noch eine Frage: viele Männer spüren, dass im Bezug auf Organisation, praktisches Leben, Strategie, Intuition, Gefühl, Liebe, Sexualität, Stil und Sprache die meisten Frauen den meisten Männern etwas voraus haben.
So bieten die Männer den Frauen ihre Kraft, ihre Dienste und ihre ganze Liebe und Potenz an- dies wird sogar wichtiger als der "reine Sex" für sie-, einfach um am Weiblichen besser teilhaben zu können.
Denn bald wird alles, was mit IHR zu tun hat sexuell für ihn.
Alles, was ihn wie magisch anzieht, was ihm Nähe und die Erfahrung ihrer Schönheit beschert- einer Schönheit, die manchmal nur wenige andere sehen; sie muss nicht "objektiv" sein.

Manche Männer verstecken sich vor so einer Erfahrung und: vor den Frauen, die sie so sehr faszinieren. Was tun sie stattdessen? Ja, was eigentlich? Was ist ein Mann?

Ebenso wie es auch Frauen gibt, die ihre Macht über den (ihren) Mann nicht wahrhaben wollen.
Die Realität ist eben oft herb. Und doch weiß man:
Schlafende Königreiche sind in uns, wir suchen nach ihnen und sind froh, wenn wir zumindest eine Ahnung von ihnen spüren.

Kommentare:

Achatz hat gesagt…

Manfred, Danke für diesen Beitrag! Sprachlich und inhaltlich eine Bereicherung für diesen Blog!

Es ist toll, wenn Leser uns solche Geschichten ihrer Entwicklung hin zu Ihrem eingestandenen Bewusstsein von Submissivität schicken!
Wenn es Dir recht ist, Manfred, würde ich Deinen Beitrag ebenfalls als Thema unter "Anfange der Submiss..(3)etc." bringen (und hier löschen), dazu brauche ich nur etwas Zeit- vielleicht am Abend, und Deine Zustimmung.
Noch eine Frage dazu: ist die angesprochene Roswitha bei Dir identisch mit unserer "Roswitha" die hier schon so vieles geschrieben hat?

Manfred hat gesagt…

Lieber Achatz, ich stimme gerne dem Vorschlag zu und freue mich, nun auch meinen, mit heisser Nadel erstellten Text, hier wieder gefunden zu haben. Ich stimme im übrigen voll und ganz mit dem Inhalt des Postings Anfänge von Submissivität 2 überein. Besser könnte man es nicht beschreiben.
Zu Deiner Frage: Ich dachte, das wäre ein leichtes sie anhand meiner Beschreibung zu erkennen. Oh ja, sie ist meine Ehefrau und seit nun etwa sieben jahren pflegen wir diese besondere Beziehung. Sie hatte mich Roswitha hatte mich gestern aufgefordert, doch auch mal etwas zu schreiben – etwas Nettes wie sie sagte und nicht nur dauernd zu lesen. Ich sollte auch mal was konstruktives machen, nicht immer nur konsumieren, auch mal selbst was zum besten geben. Weil ich heute frei genommen habe, um den Wagen zur Werkstatt zu bringen, hatte ich nachmittags etwas Zeit. Roswitha wird es erst heute abend lesen können, wenn sie vom Büro kommt. Wenn ich wieder Zeit habe, werde ich vielleicht auch mal mehr zu mir noch schreiben, wie sich das alles aus meiner Sicht darstellt. Vieles hat Roswitha ja schon in ihrer ganzen epischen Breite geschrieben und hat es mir dann immer auch gezeigt. Ich hatte nicht Zeit, bislang alles zu lesen. Aber trotzdem Klasse! Kompliment.

Achatz hat gesagt…

Danke, gut, ich habe den Beitrag hier entfernt - er erscheint jetzt gleich unter "Anfänge der Submissivität (3)" auf der Hauptseite.

Anonym hat gesagt…

Vorweg: Ich war bis vor etwa zweieinhalb Jahren halbberuflich das, was man landläufig als Domina (im gewerblichen Sinn) bezeichnen würde. Genauer gesagt arbeitete ich im Nebenerwerb, ganz privat, bei mir zu Hause oder machte Hotelbesuche. Deshalb verfolge ich noch immer die Szenerie im Internet und bin hierbei auf Minervas Juwelen gestoßen. Mein „Fachgebiet“ lag speziell im Femdom-Bereich, man könnte sagen Soft-SM, wobei mir SM im gebräuchlichen Sinne von SM gar nicht zusagt. Deshalb hatte ich auch keinerlei Ausstattung in dieser Richtung, kein Andreaskreuz, keine Ketten, keine Fessel-Geschirre oder ähnliche Dinge. Es gab kein Bondage und kein Klistier, nur ein verschnörkeltes und prunkvolles Ambiente einer für mich viel zu großen Jugendstilwohnung und ein paar wenige althergebrachte Schlaginstrumente wie Bambus-Teppichklopfer, Rohrstock, Gerte. Ich fand die in Euren Postings gelesenen Erklärungsansätze über die Gründe und Entstehung von der unterwürfigen Neigung des Mannes wirklich sehr treffend, wusste aber nicht, soll ich meine Auffassung und meine Erfahrung unter Fetisch, Gründe für die Submissivität oder Sprache schreiben, denn da sind überall ganz deutlich erkennbare Verzahnungen und Rückschlüsse.

Es gibt für mich zweierlei Arten von Männern, wie ich schnell feststellte. Die einen werden wütend, wenn man sie reizt und gleichzeitig bestraft. Die anderen halten still, wenn sie den Rohrstock für ungehöriges Verhalten bekommen, das durch meine Reize ausgelöst und angestiftet wurde. Die zweite Kategorie bestimmte deshalb meine überschaubare Kundenkartei, fast ausschließlich Stammkunden. Das ist immer das gleiche Muster, worauf sie abfuhren und wofür sie vieles in Kauf nahmen. Dem Kategorie-1- Mann stellte ich es frei, zu gehen oder zu bleiben, wenn ich ihm sagte, dass es ganz und gar nicht sicher ist, ob er am Ende einen Samenerguss als Handentspannung haben dürfe, weil schließlich ich die Regeln bestimmte als die dominante Frau, Geld hin oder her. Ob mit oder ohne dem gehassten und geliebten - Rohrstock, erfolgte nach vorheriger Absprache. Viele, fast alle, die ihn vorher nachdrücklich abgelehnt hatten, wechselten ihre Haltung im Laufe der Behandlung nach mehreren Besuchsterminen. Ich gebe zu, er tat schon weh, wenn ich ihn gebrauchte. Dazu ist er ja auch bestimmt. Aber über weite Strecken des Aufenthaltes überwiegten doch mehr eine zartbittere Herzlichkeit und eine gütige Anteilnahme wenn ich dem Kunden dann als resolute Lehrerin, herrische Ehefrau, unerbittliche Gouvernante oder als kühle Chefin gegenübertrat. Nun - wie man sieht, lauter strenge Frauenfiguren und anspruchvolle Rollen. Liebevoll ist meine Strenge allein deshalb gewesen, weil die Hingabe meines Gegenüber, seine gesittete Behandlung mir gegenüber und seine Selbstaufgabe meinen Respekt und meine Zuneigung weckten. Es war also prinzipiell eine freundliche Strenge, so wie ein barmherziges aber doch arrogant wirkendes Mitgefühl, weil ich ihm überlegen war und er so unbeholfen und hilflos. Wie sollte ich auch anders reagieren. Da ist ein baumstarker Mann, der vor mir auf die Knie geht und mir dann mit größter Hingabe und Ergebenheit meine Füße küsst und so zärtlich, wie mit einem rohen Ei dabei vorgeht, wenn er mir aus und in die Schuhe helfen darf. Unglaublich wie behutsam diese Männer sind, wie sie mit den Lippen alles tausendfach mit Küssen bedecken, wie sie damit die Beine entlang über die Nylonstrümpfe gleiten. Ich beobachtete das mit freundlicher Strenge, die sich aber auch rasch ins andere Genre wandeln konnte, wenn mein Gentleman sich als Lüstling mir gegenüber unbeherrscht und ungezogen erwies, in Gedanken oder durch Taten.
Es waren irgendwie ganz banale, jedenfalls für den Liebhaber jedoch höchst bedeutungsvolle Wünsche, die aber doch konkret zu beschreiben sind. Diese Wünsche griff ich dann weitestgehend auf, schließlich wurde ich dafür bezahlt. Auslöser für ihre Fantasien waren in der Regel reale Bezugspersonen der Männer, Frauen aus dem persönlichen Umfeld, in der Kindheit oder später in der Pubertät des Mannes, doch auch in der Gegenwart. Der eine wollte, dass ich das Zimmer mit von weitem hörbar nachschnappenden Pantoletten als Frau Studienrat oder Fräulein Ingeborg betrete, der andere wünschte sich eine Frau mit Dutt, der andere brauchte eine Perlonschürze und Gummihandschuhe. Das eine Mal war ich eine resolute Kellnerin mit weißem Schürzchen und kurzem Mini, das andere Mal empfing ich als elegante Gräfin im Designerkostüm meinen Verehrer zur Audienz, ich entpuppte mich als herrische Ehefrau leicht ordinär im Unterkleid, oder es kam die strenge Tante als schwarze Witwe mit Strapsen auf Besuch. Strapse sind sowieso von einer geradezu unermesslichen Bedeutsamkeit und Brisanz für den Mann, wie ein geradezu symbolhaftes Markenzeichen für die Dominanz der Frau. In der Tat erscheint die Unterwürfigkeit des Mannes wie eine absurde Überbewertung typisch weiblicher Gebrauchsgegenstände, die in einer Vergötterung der faszinierenden Reize des Weibes endet. Und für diese Faszination, die wie eine Sucht in ihm steckt, kann die Antwort der Frau nur Strenge und Dominanz sein. Dies sucht er als Folge seiner unmoralisch und ungehörig empfundenen Leidenschaft für alles was ihn an der Frau erregt und deshalb ordnet er sich ihr unter, dem moralischen Wesen der strengen Frau und beugt sich ihren erzieherischen Maßnahmen, selbst der schmerzhaften Bestrafung. Wichtig schien immer auch eine Ruhe und Selbstsicherheit, mit allen diesen urweiblichen Brimborium, als suchten die Männer eine ruhespendende Zuflucht bei einer Frau mit Geschmack für all das außergewöhnliche Drunter und Drüber. Am Anfang meines Nebenerwerbs gab es da nur einige Liebhaber für Nylons, die ich zu Hause empfing, ohne Sex und alles, nur Bussi Bussi und so, oder ich begleitete in entsprechender Ausstattung einen Mann zum sogenannten frivolen Ausgehen. Eine Freundin hatte mich zu dem leicht verdienten Geld angestiftet. Für mich war damals ein Strumpf halt ein Strumpf. Aber nicht für den Fach-Mann, der mich als Frau aufklären mußte, liebe Dame, Strumpf ist eben nicht gleich Strumpf. Nylons aus der Glanzzeit von Hollywood, also echte Nylons wie sie damals alle Frauen jeden Tag trugen, sind heute noch Erotik pur. Heute mehr denn je, weil die emanzipierte Frau Socken und Hosen trägt oder Feinstrumpfhosen und weil die biedere Ehefrau ihrem Gatten stets eine Absage erteilt, selbst wenn er ihr nur einen Bruchteil seiner Begeisterung für Strapse gesteht. Daraus machte ich mein Geschäft. Man stelle sich vor, was für ein Aufruhr, nur wegen einem Paar besonderer Strümpfe. Es ist das Fühlen, der Duft, das Schmecken, das Knistern wussten all die Feinschmecker sofort. Aber auch mich selbst reizte schließlich ganz besonders das Tragen dieser hauchzarten Beinkleider, wenn sie straff sitzen und dann unvergleichlich glatt und glänzend sind. Ja, da funkeln die Männeraugen, weil ich sie seit dieser Zeit auch sozusagen privat trage. Jeder schaut, auch wenn er sich nicht damit auskennt und merkt, dass da mehr ist, als bei den anderen Frauen. Wenn ich zu Hause einen Mann empfing, wurde er schon unruhig und nervös, nur wenn ich ganz nah vor ihm sitzend die Beine übereinander schlug, während ich seine Vorlieben auf meinen Karteibogen aufschrieb. Ich wusste sofort Bescheid, wenn ich die alarmierten Blicke sah und dann war es nicht schwer, die herrische Frau zu sein. Und mit den Schuhen war es immer genau das gleiche, Hauptsache hohe, dünne, spitze Absätze - das genügte, um sich vorab einig zu werden.

Ich stellte fest, dass es eine absolut zutreffende Erkenntnis war, geradezu einleuchtend, nämlich die Feststellung, wonach drei Sinne gleichzeitig zusammentreffen müssen, um einen Mann verrückt zu machen, sprich ihn sexuell stark zu erregen. Sehen – Fühlen – Hören. Ich achtete also darauf, dass möglichst alles zusammentrifft, wenn ich meinen Kunden dominierte. Das ist ein wirklich wirksames Rezept. In der Vorgehensweise kann man dies sehr wohl ganz rasch und ohne großes Überlegen anwenden. Ich achtete deshalb schon beim Anziehen darauf, dass der Mann später dem Anblick nicht entrinnen würde können und betonte sowohl Busen und Beine gleichzeitig. Ein Mann weiß dann nicht wo er zuerst hinschauen soll und schaut nur noch und schaut und schaut. Ich setzte meine Mittel mit entsprechender Haltung und Angrifflust ein, egal ob im Sitzen Stehen oder Gehen. Somit war das Sehen schon mal abgehakt. Aus dieser Haltung heraus kann man ganz anders reden. Also bekam er es neben den Augen auch auf die Ohren, wenn ich einen strengen Ton anschlug, ermahnende Sätze sprach, strenge Erziehungsmethoden aus einem Buch vorlas, während ihn gleichzeitig die auf das Parkett hart aufgesetzten Schritte meiner sehr hohen Schuhe umkreisten. Da musste ich auch nichts außergewöhnlich Geistreiches formulieren. Ich versuchte lediglich, kurze ganze Sätze zu bilden, die ihm Handlungen auferlegten oder ihn beschämten oder sogar eine gewisse Angst vor mir einflößten. Meine Stimme musste in Übereinstimmung sein mit dem, was ich darstellte, musste also fest und bestimmt klingen, wenn ich streng war. Dafür jedoch nachsichtig und verhätschelnd, wenn der Mann im letzten Stadium der Unterordnung sich völlig aufgegeben hatte.
Und es stimmt schon, die falschen Worte können mehr schmerzen als jeder Schlag. Aber warum sollte ich einen Mann mit Schimpfwörtern titulieren, wenn er mich anbetet. Dagegen durfte es aber auch nicht zu liebenswürdig sein, wenn man die dominante Frau verkörpert. Ich stellte mein unsicheres Nachfragen nach dem Befinden des Mannes sogleich ein, nachdem es mir mehrmals als unpassend angedeutet wurde. Speziell bei Züchtigungen beobachtete ich anstatt der Fragen dann eben die körperlichen Reaktionen und verzichtete darauf, mich über das körperliches Wohlbefinden meines Gastes zu erkundigen. Unsicheres Fragen verunsicherte mein Gegenüber und gab ihm das Gefühl, an eine Anfängerin geraten zu sein, so sagte es mir ein Gast ganz offen. Forsches Zureden, zusätzliches Belehren und Tadeln stimulierten dagegen meine bösen Buben.
Die Steigerung zu meinen Ansprachen und Zurechtweisungen während meiner Auftritte war schließlich die Berührung, jedoch nur nach meiner Anweisung und exakt so, wie ich es dem Mann vorgab. Da sah ich dann faszinierte Gesichter, wenn ich die Erlaubnis erteilte, mit beiden Händen unter meinen Rock zu fahren und mir dann aufsagen ließ, was das denn wäre, was sie da fühlten. Wenn ich meinen Blick nach unten senkte, ragten mir jedes Mal ein erigiertes Glied wie eine steil zum Abschuss aufgerichtete Rakete entgegen (die Männer waren ja immer vollkommen nackt bei meiner Audienz, sie mussten sich in der Diele ausziehen und dann vor dem Eintreten in mein Zimmer klopfen). Dann, wenn sie genug gefühlt hatten, bettelten sie auf meine Nachfrage um die nächste Erlaubnis, sich vor meinen Augen zu befriedigen, als Beweis seiner Ergebenheit und Anbetung. Ich entschied mit Ja oder Nein, je nachdem wie artig er sich benommen hatte und wie viel Zeit schon verstrichen war. Meistens ließ ich es zu, stellte ihn jedoch zuvor wieder ernsthaft auf die Probe und hatte meine Bedingungen. Je nach Rolle vergab ich Aufgaben, damit der Gast sich seine Abschusserlaubnis verdienen musste. Hausarbeiten zum Beispiel (ich hatte eine ganze Kompanie Butler, persönliche Sekretäre und Hausdiener), mich mit einem Fuß- oder Schaumbad verwöhnen, oder Abhilfe durch Bestrafung, als Wiedergutmachung und zum Zweck der Besserung. Für manche Männer wurde der Besuch bei mir nur noch zum Empfang einer Strafe für ihre Lüsternheit, mehr wollten sie gar nicht, als von mir übers Knie gelegt zu werden oder für eine Lektion mit einem von mir für nötig erachteten Züchtigungsinstrument. Das ging kurz und knapp, dann verabschiedeten sie sich wieder höflich. Das lief dann auch nur über die Fetische, wo ich dem Mann durch meine Aufmachung eine strenge, herrische aber auch sanftmütige Frau suggerierte, als würde ich mir täglich meinen Dutt stecken, immerzu mit schnappenden Pantoletten von Raum zu Raum gehen, mir den ganzen Tag im schwarzen Neglige vertreiben oder nur in exklusiver Unterwäsche residieren. Und an der Garderobe lag schon mein Rohrstock zum Empfang für den ungezogenen Herrn bereit, als wäre es der natürlichste Gebrauchsgegenstand in meinem häuslichen Inventar. Es war wie im Showbusiness, vieles Illusionen und Fassade. Meine Schäferhündin Sheila verstand die Geschehnisse am aller wenigsten und sie verzog sich immer gleich, wenn ich ihr Zeichen gab.

Ich wage zu sagen, dass jeder Mann mehr oder weniger starker Fetischist ist, und je mehr er einer ist um so leidensfähiger und leidenswilliger ist er. Das heißt, es gibt Kleidungsstücke, die ihn sehr faszinieren oder die ihn im Gegensatz dazu regelrecht abturnen, wenn es nicht dem Fetisch entspricht. Bevor man sich überhaupt auf die innerliche dominante Seite eingestellt hat, dreht sich erst einmal alles um die äußere Erscheinung. Das ist so wie im normalen Leben auch, da muss jede Frau herausfinden, was sie begehrenswert macht, was ihre Schönheit und Einzigartigkeit betont und hervorhebt und dann muss sie sehen, sogar bewusst berücksichtigen, wie das mit den eigenen Vorlieben übereinstimmen kann. Im Prinzip kann das jede Frau, meine ich zumindest, was ist schon dabei mit Straps und Stöckelschuhen, war doch früher bei Mutti auch nicht anders, und streng sein konnte man als Mutter sowieso. Auch war ich erstaunt, mit welch simplen Erklärungen meine Kunden ihre Besuche bei mir begründeten, wenn ich interessiert nachhakte warum er denn zu mir gekommen sei – nur wegen Strümpfen usw. die seine Frau nicht mag, weil er keine Frau gefunden hat, die so was mag, oftmals waren es aber auch lebenslange Geschichten voller Melancholie und Beziehungskisten ohne Ende, die ich während der Männerbesuche erfuhr. Einige trauten sich nicht, sich ihrer Frau die heimlichen Vorlieben zu gestehen und wählten den Weg zu mir. Wenn ich nachbohrte, kamen rasch jene Bezugspersonen aus dem Gedächtnis hervor, die sie still und heimlich verehrten, Frauen aus der Vergangenheit, angehimmelte reife attraktive Frauen, Jugendlieben, aber auch welche in der Gegenwart aus dem nächsten Umfeld. Manchmal taten sie mir richtig leid meine armen Kerle, wenn sie von den Verlockungen mancher für sie unerreichbarer Rasseweiber schwärmten und mir von ihren Episoden und Begegnungen berichteten.

Ich habe übrigens durch meinen Nebenerwerb meinen Lebenspartner kennen gelernt, der natürlich voll und ganz einem jener eingangs beschriebenen Charakterzüge entspricht und mit einer Palette verschiedener Fetische aufwarten kann. Es ist also genau das eingetreten, wovor man in dem Gewerbe die größte Angst hat, nämlich sich in einen Kunden zu verlieben, also wenn Gefühle beim Sex gegen Bezahlung entstehen. Ich habe meine Tätigkeit von einem Tag auf den anderen an den Nagel gehängt und bin froh, dass ich heute wieder ein normales Leben führen kann, ohne zweite Identität und allen anderen Risiken. Vorbei die Zeit, wo ich Perücken trug und mehrere Telefonanschlüsse brauchte. Durch meine Tätigkeit weiß ich allerdings sehr viel mehr über die Männer, als manche andere Frau und da bin froh darum. Diese Fetische haben einen sehr hohen Stellenwert und ich gehe trotz der Liebe und Freundschaft die uns verbindet, mit der gleichen Ernsthaftigkeit und Förmlichkeit damit um wie damals, als dieser Mann mich als unglücklicher und alleinstehender Herr als Kunde aufgesucht hatte und immer mit einem Strauß Blumen kam. Damit ist ein Lebenstraum für ihn in Erfüllung gegangen, wie er sagt, weil ich genau das verkörpere, was ihn ständig umtrieb und was er bei anderen Frauen so sehr vermisste. Pedantische Weiblichkeit und ernsthafte Auseinandersetzung mit der Sexualität, waren für ihn enorm wichtig, als das Fundament für die Liebe zu einer Frau überhaupt. Es tut schon gut, wenn eine Frau gesagt bekommt, wie hoch der Stellenwert im Leben des Partners ist und wenn dies keine leeren Worte sind, weil sich der Partner entsprechend verhält. Freundschaften hat man schnell, nicht aber die wirklich intime Verbundenheit. Auch ich bestätige, wonach das kumpelhafte Miteinander bei der sexuellen Begegnung von Mann und Frau ziemlich unpassend ist. Es zerstört das Flair und den Zauber der sexuellen Anziehungskraft, weil es dem Mann wirklich ein zutiefst ernsthaftes Bedürfnis ist, wenn die Frau mit seinen Fetischen ebenso ernsthaft umzugehen weiß. Diese Ernsthaftigkeit und eine gewisse Distanz der Frau als Zeichen von Machtbewusstsein gibt dem sexuellen Aufeinandertreffen eine hocherotische Brisanz. Was ich meine ist ein förmlicher Umgangston und ein Benehmen wie etwa bei einem festlichen Diner, wo durchaus auch mal gelacht werden kann, denn wo Genuss stattfindet, muss nicht alles in pathetischem Ernst vor sich gehen. Aber wie schon gesagt, mit bewusster Vorsehung alle Sinne gleichzeitig bedienen, erst Nachdenken, dann Handeln, das ist Dominanz. Die Handlungen werden bewusst sinnvoll, planvoll ausgeführt, maßvoll und vor allem würdevoll. Die Positur und Gestik für eine strenge Person kann jede Frau gut vor dem Spiegel ausprobieren. Man muss nur darauf achten, dass alles dem verkörperten Typ entspricht. Selbstsicherheit kann elegant wirken, aber auch lässig. Man lernt schnell, was einem gut steht und was eher aufgesetzt wirkt. Dies zum Schluss als kleine professionelle Anleitung einer mittlerweile glücklich verehelichten Ex-Herrin, was aber gewiss nicht heißen soll, dass nun der Mann wieder die Hosen anhätte. Ich habe mir noch alles aus meiner aktiven Zeit behalten und habe nichts verlernt. Auch bin ich noch im Besitz des Aufnahmebogens meines Mannes, wo alle seine Spleens schwarz auf weiß geschrieben stehen, und an ihnen hat sich ebenso nichts geändert. Das ist wie ein Ehevertrag, aus dem er nicht mehr herauskommt und das will er ja auch nicht, mein verliebter Romeo. Ich genieße diese Anbetung jetzt im ganz privaten Bereich und bin wider Erwarten binnen kurzer Zeit eine glücklich verheiratete Frau geworden. So erfüllte sich mein bereits abgeschriebener Kindheitstraum nach einem tollen Mann doch noch im fortgeschrittenen Alter von 37 Jahren, über nie vorhergesehene Umstände und auf den oft seltsamen Wegen des Lebens. Ich liebte schon als Teenager romantische Geschichten mit einem Happy End unendlich.

Madame Ingeborg, Fräulein Ingeborg oder einfach nur Ingeborg