Eine neue, ganz andere Art von Leidenschaft in einer "Weiblich Geführte Ehe" oder FLR (=Female- Led- Relationship) ? Dieser in den USA und England zunehmend verbreitete Lebensstil verdient es, auch im deutschsprachigen Raum diskutiert zu werden. Wir freuen uns über Kommentare, Einfälle, Geschichten und Meinungen.

Freitag, 3. August 2007

Naked Lunch

Bei all den Informationen und Gedanken will ich die eigene Geschichte nicht vergessen; wie es dazu kam, dass meine Submissivität sozusagen aus der hintersten Ecke meines Bewusstsein in der Vordergrund und in unser eheliches Leben gelangte. Wie dann ein Schreck war und dann eine Patsituation und schließlich wir auf den Weg kamen, die Dinge zu nehmen wie sie sind. Und weiter dahin, dass schließlich Amélie es ist, die diesen Lebensstil geniest, denn sie hat inzwischen erkannt, dass der Lebensstil einer Frau mit einem "unterworfenen" Mann nicht ein perverser Lebensstil ist, bei dem die Frau mit hohen Hacken, Lederrock und -BH, einer Peitsche in der Hand ihren Mann den Fußboden mit einer Zahnbürste reinigen lässt- oder, schlimmer noch, den passiven und z.B. gefesselten Mann bedient, indem sie ihn auf welche Weise auch immer (nach seinen Wünschen!) quält.

All das ist es nicht, oh nein!- auch wenn viele männliche Fantasien dies wollen (meine tun es nicht, oder nur sehr selten). Nein, Amélie sah, dass das Leben bequemer und einfacher für sie sein kann, wenn sie weiß, wie sie was von ihrem Mann bekommt. Und wie sie mit ihm das Leben führen kann, welches sie sich wünscht.

Aber, wie gesagt, das ist eine längere Geschichte.

Angefangen hat alles vor vier Jahren. Ihre Unlust am Sex konnte damals nicht größer sein. Es fand "Nichts" mehr statt.
Nun ist "No Sex" für einen Mann sowieso sehr schwierig auszuhalten. Für einen Mann mit "submissiven" Talenten ist es ein Ding der Unmöglichkeit- wie wir auch schon bei aruondherfinger.com lesen konnten, etwa hier woraus ich zitiere:
"Das ist wichtig zu wissen in jeder normalen Ehe, aber es ist total entscheidend bei submissiven Ehemännern. Ein Mann mit „erweckter“ Submissivität sehnt sich ausgesprochen stark nach sexueller Energie (die Sie getrost „sexuelle Aufmerksamkeit“ nennen können) von seiner Frau; mindestens genau sovieloder aber noch viel mehr, als er sich nach körperlichem Sex sehnt."

Submissiv veranlagte Männer, oder solche, bei denen diese Struktur, die ja eigentlich eine naturgegebene ist, offen zu Tage tritt (also offen für sie selbst oder ihre Partnerin) , diese Männer also können gar nicht richtig leben, wenn ihre Sexualität nicht wenigstens wahrgenommen wird von ihrer Partnerin-.

Entsprechend ging es mir schlecht und ich fing an, mit Amélie darüber zu reden, dass ich von meiner Frau mir nichts mehr wünschte, als dass sie regelmässig mit mir Geschlechtsverkehr haben würde und: dass ich mir vorstellen könne, wenn sie "bestimmte".

Sie fragte, ob ich denn nicht einfach masturbieren könnte.
Ich wies sie darauf hin, dass das absolut nicht dasselbe sei. Frauen stellen sich die Sexualität der Männer offenbar nur als einen ausgesprochenen mechanistischen Vorgang vor, den man entsprechend an und ausschalten könnte.
Meine Einwände aber leuchteten ihr erstaunlicherweise ein. Sie willigte also ein, darüber nach zu denken.

Beim nächsten Gespäch fiel ihr dann eine interessante "Lösung" ein, nämlich dass sie "sich ihrem Ehemann zur Verfügung stellen" wollte, wenn es denn dem "Ehefrieden dienen" würde, und ich somit also nicht in ein Bordell zu gehen brauchte.

Ja, sagte ich, es komme mir nicht nur auf eine Frau an sich an- das sowieso- sondern auf sie. Eben auf Amélie: ich müsste eben mit ihr schlafen -ab und an- um sie sexuell zu spüren und zu wissen, wo mein Platz sei in der der Welt.

Das gefiel ihr irgendwie; sie schwieg für einen Moment, was selten ist.
So schlug sie vor, dass wir sowieso immer dann Sex haben würden, wenn sie dazu Lust hätte (ich hätte ja sowieso immer welche) und dazu, -wenn sie lange Zeit keine Lust hätte, was ja zur Zeit der Fall war- würde sie sich "mir hingeben", alle drei Monate, wenn es nicht anders ginge.

Alle drei Monate! ich hätte an zweimal in der Woche gedacht, was sie natürlich auf keinen Fall wollte, sie sei schließlich keine Hure..... es sei denn, sie hätte Lust darauf, was ja vielleicht auch einmal wieder der Fall sein könnte- sie gab sich da hoffnungsvoll.

Es ging lange hin und her, was vielleicht auch an ihrer Lust an Verhandlungen aller Art liegen könnte. Man kann mit ihr handeln.

Schließlich sagte sie, dass sie- aber nur völlig passiv, wobei ich sie mit einem Gleitgel "einschmieren" müsse, damit er ihr nicht wehtäte- einmal im Monat "die Beine breit machen würde" für mich, wobei ich aber keine Beteiligung ihrerseits erwarten dürfe!

Ich könnte dann meine "ehelichen Bedürfnisse" befriedigen, um der Gesundheit meiner Prostata und meiner Seele willen und nur, wenn mir Masturbation nicht ausreiche.

Sie entwickelte dann in der Tat ein gewisses Gefallen an dieser Regelung, weil sie von nun an keinerlei Diskussionen mehr hatte mit einem erregten Ehemann und sich auch nicht mehr entschuldigen zu müssen glaubte, wenn sie sich nach dem Gute Nachtkuss im Bett nachts zu Seite drehte.

Nach zwei Wochen, es war der vereinbarte erste Samstag im Monat, die Kinder waren wie üblich dann bei ihren Großeltern, erinnerte sie von sich aus an unsere Verabredung und legte sich mittags, nur mit einem T-shirt bekleidet rücklings auf unsere Küchentheke, so dass ich "es" im Stehen tun könnte. Die nackten Beine mit Halbschuhen und leicht gespreizt.
Ein göttlicher Anblick.
Sie wollte also das Prosaische des Ganzen betonen, vielleicht um mir die Lächerlichkeit meiner Bedürfnisse klar zu legen.

Es wirkte aber im Gegenteil besonders aufregend und faszinierend für mich.
Ich sagte, ich fände es besser, sie würde auch ihr Hemd ausziehen, woraufhin sie entgegnete, dass "ganz nackt im Puff extra kosten würde"...aber sie sei schließlich kein Unmensch... und ob ich jetzt endlich "machen wollte " oder nicht.
Sie zog tatsächlich ihr Hemd aus und outete sich somit quasi als Mutter Theresa.

Mir wurde klar, dass ich eine wundervolle, humorvolle und sehr großzügige Frau geheiratet hatte, die mich zudem nach all den Jahren noch ausserordentlich erregte und liebte sie in diesem Bewusstsein so sehr, dass "alles" sehr schnell ging, wie von ihr beabsichtigt.

Vom Moment meines Orgasmus an, schien sie wieder vollkommen die Trümpfe in der Hand zu halten.
Natürlich hatte ich alles "sauber zu machen", ein Gummi zu benutzen und sie schön abzutrocknen, vom Gel usw.
Tatsächlich haben wir es dann öfters so gemacht, wenn auch nicht immer wieder auf dem Küchentisch und wenn auch nicht immer ganz ohne ihre Beteiligung. Manchmal wurde sie auch selber erregt dabei und bat mich "warte....", begann mich zu küssen und mich zu (ver)führen, damit ich zunächst sie zum Orgasmus brächte.
Sie hielt sich exakt an unsere Abmachung. Und konnte es einmal nicht Samstagsmittags geschehen, dann wollte sie es am Sonntag.
Es ging einige Zeit so. Wenn man einen Monat keinen Sex gehabt hat, findet man(n) alles toll, was die eigene Frau einem anbietet, vorausgesetzt, man findet sie aufregend und weiblich -reizvoll und das war und ist allemal der Fall.

Es stellte sich aber heraus, dass dieser "Deal" durchaus auch seine Kehrseite für mich hatte. Dadurch, dass sie sozusagen sich für mich "zur Verfügung" stellte konnte sie andererseits mehr von mir erwarten und ich stellte fest, dass sie in der Folgezeit viel bestimmender, direkter und umfassender wurde in ihren Forderungen.
"Bitte sauge heute Abend noch Staub im Wohnraum....und räum die Spülmaschine aus, bis ich vom Reiten wieder zurück bin", ...das hätte sie früher fragend und höflicher formuliert. Jetzt war klar, dass ich das und das zu tun hatte, da sie schließlich auch etwas lieferte. Ich stand in ihrer Schuld, denn das was sie für mich tat, war kaum aufzuwiegen.

Kein Wunder, dass sie ihr eigenes Vergnügen am gemeinsamen Sex, wenn er denn "gemeinsam" war, eher herunterzuspielen suchte. Nicht bewusst, aber doch mehr oder weniger. Nach der Devise: wir machen das hier (..oder ich mache das hier..) nur für dich.

Sie ist eben keine Venus, sondern eine Minerva, eine Geschäftsfrau, eine Strategin und Kämpferin, die ihre Edelsteine zu zählen und zu nutzen weiß: die Juwelen der Minerva eben.

Und dies zeigte in der Tat neue Aspekte unserer Ehe, auf denen sich etwas aufbauen liess und lässt, -denn es ist ein Prozess-, was man eine Frauen- geführte- Ehe nennen kann, eine FLR (female led relationship)..... in der die Frau die sexuelle Bedürftigkeit des Mannes herausfordert, kanalisiert und nutzt- zu ihrem Vorteil und: durchaus im Sinne beider Partner.

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