Eine neue, ganz andere Art von Leidenschaft in einer "Weiblich Geführte Ehe" oder FLR (=Female- Led- Relationship) ? Dieser in den USA und England zunehmend verbreitete Lebensstil verdient es, auch im deutschsprachigen Raum diskutiert zu werden. Wir freuen uns über Kommentare, Einfälle, Geschichten und Meinungen.

Sonntag, 19. August 2007

Gesten

Amélies Füsse haben meine besondere Verehrung.
Ich liebe ihre Schlankheit und den gepflegten Schimmer ihrer glatten Haut.
Sie mag es, wenn ich sie massiere und eincreme. Manchmal, wenn wir gemeinsam in der Badewanne liegen, streckt sie mir ihren Fuss vor mein Gesicht, und dann darf ich ihn küssen.
Manchmal zieht sie das Knie auch an und senkt den Fuss auch schon einmal mal auf mein Geschlecht und drückt es nach unten.
Eine klare Geste.

Was Amélie nicht so gerne hat, ist, wenn ich mich vor sie hinknie, auf den Boden, während sie zum Beispiel auf dem Bett sitzt, und wenn ich dann aus dieser Pose ihre Füsse küsse. Dann zieht sie die Füsse womöglich zurück. Das ist ihr zu unterwürfig. Nicht ihr Ding.

Verwöhnen, ja, gehorchen und tun, was sie sagt... ja gerne. Aber Gesten der Unterwerfung,...? Nein, wozu ?!

1 Kommentar:

Roswitha hat gesagt…

Gesten und Füsse, wieder so ein großes unablässiges Thema aus dem Bereich der Femdom-Welt, das geradezu prädestiniert ist, um in einer intensiveren Auslegung und Kommentierung die Wichtigkeit dieser gerne verkannten Materie doch zu unterstreichen. Dank an der Stelle.

Wozu dieses theatralische Gehabe lautet die zentrale Frage, wo doch in der heutigen Zeit Götzendienste und Dämonenkult weit hinter uns liegen, warum fangen einzelne Paare (Femdom/FLR), Frauen und Männer wie Du und Ich, wieder mit derart demütigenden und diskriminierenden Verehrungsritualen an. Nicht gemeint ist hier die aktive/passive BDSM-Szene, wo sich die Handlungen doch mehr an die Geschichte der Sklaverei orientieren.

Die ganze Welt ist doch voller Gesten: Politik, Sport, Spiel, Religion, Natur. Überall sind Bräuche in der Gesellschaft verankert und selbstverständlich. Es wird durch vereinfachte Form etwas ausgedrückt, in eindeutiger Weise und bewusst unter Verzicht auf Worte. Im Kampf der Geschlechter sind derlei Rituale bei den Tieren besonders gut zu beobachten (sie kämpfen noch um ihre Weibchen!). Aber auch bei den Menschen gibt es durchgängig deutliche Rituale der Verehrung und Ehrerbietung und haben bis heute hohe gesellschaftliche Bedeutung. Die verehrte Person genießt durch den Verehrer eine außergewöhnlich starke und respektvolle Zuneigung. Der Handkuss oder der Kuss sind solche Gesten. Da pressen zwei sich Liebende ihre Lippen aneinander und lassen beim Schmusen im Verborgenen sogar die Zungen miteinander spielen. Je höher die Position der verehrten Person, um so deutlicher, ausdrücklicher oder tiefer erfolgt die Geste der Verehrung. Sieht man nun das Verhältnis zwischen Mann und Frau in der Femdom-Ehe erklärt es sich von selbst, warum sich hier die Überordnung der Frau bzw. die Unterordnung des Mannes auch in speziellen Ritualen der Verehrung, insbesondere der Fußverehrung ausdrückt. Ich die Frau habe die höchste Position, nehme den höchsten Rang ein. Die Ehefrau ist die Hoheit für den Mann, sie ist seine Gebieterin, seine Herrscherin, seine Herrin. Das ist die ihr zugedachte Rolle und Position (wohlgemerkt meist sehnsüchtig von ihm), er betet sie an, verehrt sie zutiefst mit Respekt und Gehorsam. Wenn ich als Frau diese Position annehme, dann male und fülle ich sie konsequenterweise auch aus. Deshalb ist keine lächerliche Geste, sondern eine sehr bedeutungsvolle, wenn ich den Mann auf die Knie beordere, um mir die Füsse oder Schuhe zu küssen. Das ist nichts anderes als eine (ritualisierte) Klarstellung der Machtverhältnisse innerhalb der Ehe, die Machtdemonstration der dominanten Frau, die der untergeordnete Mann primär auch nicht als demütigend empfindet. Wenn er es folgsam ausführt ist es nicht mehr als seine anerkennende Geste, die seine Bereitschaft offenbart, sich der weiblichen Macht voll und ganz zu fügen. Rein körperlich habe ich wenig davon, das stimmt schon. Doch der Symbolcharakter ist ungemein hoch zu bewerten und ich koste es schon aus, wenn ich dabei zusehen kann, wie der Mann sich am Boden verzehrt (rührend!), um mir seine Huldigung zu zeigen. Seine Erklärung hierzu ist auch eindeutig und für mich gut nachvollziehbar. Die Logik der Fußverehrung beruht darauf, dass er sich als das untergeordnete Subjekt fühlt und deshalb das untere Körperteil der Frau, sprich ihren Fuß küsst. Dieser Fuß ist ja auch Ausgangspunkt seiner (unerfüllten) sexuellen Begierde – so seine eingestandene Betrachtungsweise. Das ist schon klar, weil es nun diese meine Füße sind, die sich auf 12cm Absätzen vor seinen staunenden Augen wie eine ständige Bedrohung auftürmen und sich zur ungemeinen sexuellen Kraftquelle hochstilisieren. Er ergibt sich meiner täglichen Größe und Stärke, wenn er sich auf die Knie begibt und durch seine Küsse wendet er sich sinnbildlich direkt an die Quelle seiner Begierde (O-Ton: ein gepflegter Frauenfuß in einem eleganten Stöckelschuh mit rotlackierten Nägel, der durch einen hauchfeinen Nylonstrumpf schimmert kann mehr Erregung auslösen als ein vollkommen nacktes Weib im Bett) und fleht um die Erlösung seiner sexuellen Begierde. Er will also meine Gunst erweichen, meine besondere Zuwendung (sexuell) erwirken, wenn er sich auf den Boden begibt und sich dort größte Mühe gibt und seine Ergebenheit demonstriert. Neben der Erduldung von Strafe ist auch das Niederknien des Mannes und das Küssen der Füße/Schuhe als Opfer für seine sexuelle Befreiung zu sehen. Es ist eine Art Aufhebung der Distanz, weil ja die weibliche Dominanz zunächst für eine zwischenmenschliche Entferntheit sorgt. Somit hebt die Verpflichtung, mir die Füsse oder Schuhe zu küssen, auch den bestehenden Bann der verbotenen Lust auf und er darf sich der Verlockung hingeben, mir zumindest die angebeteten Füße liebkosen zu dürfen. Es ist mein erstes Entgegenkommen. (Der Freudsche Symbolismus vergleicht übrigens den an sich hohlen Damenschuh mit der weiblichen Vulva und den weiblichen Fuß zum männlichen Gegenstück. Der Schuh am Fuß bedeutet für den männlichen Betrachter also den vollzogenen Geschlechtsakt, das Hineingleiten oder Herausschlüpfen des glatt bestrumpften Damenfusses aus einem Pumps/Stiefel etc. und erklärt somit die stark erregende Wirkung des Mannes und sein Faible für die künstlich geschaffenen Reizobjekte.

Diese symbolische Machtdemonstration lässt sich auch wunderbar in den Alltag integrieren und es ist eine gut geeignete Auftaktmöglichkeit, also zum Einstieg in eine Phase der Strenge oder zur Durchsetzung einer erwarteten Handlung. Es ist auch eine Form der Etikette, der ich mich bediene oder eben eine (unsere ganz persönliche) besondere Umgangskultur in speziellen Zeiten zu Hause oder auf Reisen im Hotel. Jederzeit kann ich meine weibliche Dominanz sozusagen anknipsen, wenn ich den Mann von der einen Sekunde auf die andere "auf die Knie" befehle – ohne dem geringsten Ansatz von Widerrede - drei Worte - kurz und knapp. Es kann sich auch in der Form äußern, dass dem Mann verwehrt wird meinen Mund (wie sonst üblich zur Begrüßung oder aus welchem Anlass auch immer) zu küssen und er gewissermaßen als Ersatzhandlung auf den Boden muss (auch als erzieherische Maßnahme nach einem Vorfall). Er weiß dann schon, was er zu tun hat und was die Stunde geschlagen hat. Das Zeremoniell, wie wir es pflegen, verlangt sogar eine vorgeschriebene Form (Reihenfolge mit dem Rechten beginnend, ggf. erst die Absätze der Schuhe, die Schuhspitze, später die Reihenfolge der Zehen, viel später dann auch fest reglementiert am Bein entlang, hoch zur verbotenen Zone, Grenze Strumpfrand und verbotener Blickkontakt in den Schritt), die der Mann zwingend einhalten muss und worüber ich sehr genau wache. Das ist eine regelmäßige Ordnungsübung, die regelmäßig und oft exerziert wird und die stets auf seinem Erziehungsplan steht. Sich die Füsse küssen zu lassen ist auch eine wunderbar entspannende und wohltuende Prozedur. Wie viele Ehefrauen mag es wohl geben, die sich von ihrem Mann wünschen würden, zumindest flüchtig jeden Tag auf die Wange geküsst zu werden. Da ist mir das krasse Gegenteil davon bedeutend lieber, einen Mann zu haben, der mir zu Füßen liegt und mich mit hungrigen Lippen auffrisst.

Symbolische Gesten und Bewegungsabläufe gibt es viele in der Welt von Femdom. Die Phantasie eines submissiv veranlagten Mannes, so scheint mir, ist wirklich voll davon, als wäre kein Platz mehr für andere Dinge. Hier spielt die Dramaturgie eine große Rolle. Um ihn in die unterwürfige Rolle zu manövrieren, braucht es noch nicht einmal strenger Worte. Im Kopf gibt es Szenarien, wo er sich im abgedunkelten Raum befindet und im Türrahmen erscheint die hoch aufgeschossene schwarze Silhouette einer Frau, die Hände in die Hüften gestemmt. Ihr Schattenbild mit den hohen Absätzen auf dem hellen Lichtkegel verstärkt die bedrohliche Situation. Die Hände in den Hüften ist so eine Lieblingspose für eine dominante Frau mit hoher Aussage- und Anziehungskraft oder sitzend wie auf einem Thron mit übereinander geschlagenen Beinen. Auch der Zeigefinger der Frau hat eine enorme Kraft – ohne Worte - und ohne Bodybuilding. Einerseits ist da die lockende und zugleich verlockende, verführende Geste, wie es die Hexe im Märchenbuch vorexerziert, wie es die geheimnisvolle Zigeunerin es für eine Scharlatanerie benutzt oder wie die Dirne am Straßenstrich, die damit den schüchternen Mann wortlos aber ganz speziell ihn betreffend anspricht. Die Versuchung ist jedes Mal groß, nur weil ein sich krümmender Zeigefinger die Richtung vorgibt. Der Mann kommt schwerlich dagegen an. Auch der buchstäbliche Fingerzeig des gestreckten Zeigefingers hingegen gibt dem Mann stumm Anweisung, was zu tun ist. „Los jetzt“ scheint er zu sagen, „sofort“ oder „wird das jetzt bald“! Der Finger zeigt unmissverständlich die Richtung an, wohin sich das Geschehen zu verlagern hat, er schickt den Mann zu Boden, ins Zimmer nebenan, zum Holen und zum Wegräumen, zur Stelle wo seine Liebkosung erwartet wird, zur Hausarbeit, zum Ausziehen, usw. Er droht und ermahnt, wenn etwas nicht im Sinne der Erwartungen der Frau läuft. Theatralisch ist auch das stumme Überstreifen von Handschuhen, wie man es beispielsweise bei Ärzten und Krankenschwestern, im Labor usw. sieht. Dem obligatorischen Überstreifen folgt eine Handlung, es geschieht gleich etwas bei dem Patienten, es wird etwas an ihm gemacht, die Handschuhe kündigen es an. Und nicht zuletzt gibt es richtig ängstigende und furchterregende Gesten: Das helle Singen eines Rohrstockes, wenn er durch die Luft gezogen wird oder wenn die Gerte in die hohle Hand geschlagen wird. Es erzeugt eine schauderhaft Ungewissheit hinter dem Rücken des Mannes und schürt die Angst, beim nächsten Laut von dem Instrument schmerzlich gepeinigt zu werden.

Das Zusammenspiel von Pose und Sprache ergibt letztendlich eine ungemeine Machtfülle, wie man sie zuvor niemals in sich vermutet hätte. Der dritte im Bunde ist dann noch die Weiblichkeit, womit man dem Mann gehörig Dampf macht. Das ständige Verwenden von typischen Reizmitteln, die dem Mann Weiblichkeit in Vollendung suggerieren, besiegeln seine Unterordnung total, weil er diese als Symbole der Stärke glorifiziert und mit den Qualitäten seiner Gebieterin insgesamt verbindet. Die männliche Denkweise ist hier wirklich primitiv und schöpft seine sexuelle Stimulanzen aus rein optischen Wahrnehmungen.

„Wozu“ also nun das ganze Theater? Sinnlichkeit ist die eine Antwort. Die Unterwerfung des Mannes und die Machtfülle der Frau wird auf wunderbar ästhetische und stilvolle Weise sichtbar, wenn man derlei Rituale schafft. Selbst eine „normale“ Ehe lebt von Ritualen die sich Mann und Frau erhalten sollten, damit sich die Harmonie nicht mit den Jahren auf leisen Sohlen davonschleicht. Diese Rituale fallen natürlich in einer Femdom-Ehe - wie alles hier - in verstärkter Form aus. Dafür fallen ja auch die Auswirkungen in verstärkter Form aus (es überwiegen ganz klar die Vorteile!) und deshalb weiß ich ganz gewiss „wozu“ ich dies und jenes von dem unterwürfig gearteten Mann sehen und vorgeführt haben will, ganz klar. Wenn der Mann dies ordentlich vollzieht und seine Gehorsamsübungen besteht, verbessert dies zum einen seine Chancen auf Sex und meine auf ungetrübten Genuss durch Verwöhnen in jeglicher Hinsicht.

P.S.
Die bei dem Thema gerne aufkommende Frage, ob denn derlei Rituale und Gesten konsequenterweise auch in der Öffentlichkeit vollzogen werden – Nein, ganz klar nein. Das ist für uns überhaupt kein Thema – niemals, denn dies wäre wirklich demütigend und verletzend - allenfalls eignet sich mal eine sichere Umkleidekabine, wenn wirkliche Ungestörtheit für den intimen Akt der Fußverehrung gegeben ist.