Eine neue, ganz andere Art von Leidenschaft in einer "Weiblich Geführte Ehe" oder FLR (=Female- Led- Relationship) ? Dieser in den USA und England zunehmend verbreitete Lebensstil verdient es, auch im deutschsprachigen Raum diskutiert zu werden. Wir freuen uns über Kommentare, Einfälle, Geschichten und Meinungen.

Sonntag, 5. August 2007

Die Küchentheke.

Vor einiger Zeit- es ist schon über ein Jahr her, kam es zwischen mir und Achatz, meinem Mann, zu einem denkwürdigen und intensiven Gespräch über unser „Intimleben“, welches zu dem Zeitpunkt eigentlich garnicht mehr existierte. Ich hatte seit langem die Lust verloren, und „es“ fand zu seinem Kummer kaum noch statt, vielleicht zweimal im Jahr und dann eher seinetwegen. Wir hatten sonst ein harmonisches Miteinander. Diese Harmonie war offenbar unterlaufen von seiner Unzufriedenheit, von der ich erst an diesem Abend in dieser Ausführlichkeit erfuhr. Achatz ist ein sehr sinnlicher Mann mit ausgeprägter Libido; aber er hatte es aufgegeben mich weiter zu bedrängen, weil er einsah, dass dies nichts ändern würde. Er hatte mich, nachdem ein paar Anläufe von ihm, mich zu mehr „Kontakt“ zu verführen, schief gelaufen waren, geschont. Ich dachte, damit wäre das Problem für ihn erledigt. Und alos für mich. Wie ich heute weiß, haben Frauen nur sehr vage Vorstellungen von der Sexualwelt ihres Mannes. In meiner Generation- ich bin gerade über 40, halten Frauen eigentlich nicht viel davon, die Männer diesbezüglich zu verstehen und sind froh, wenn sich ihre Männer mit anderen Dingen beschäftigen, das ist klassisch. Es ging ihm aber nicht nur um Sex.
Er wollte ausdrücklich wahr- und ernst genommen werden in seinem sexuellen Verlangen. Ich hatte es ignoriert.
Es ging ihm ferner um die Thematisierung eines Sachverhalts, den er als gegeben ansah: Dadurch dass er sich- nichts Ungewöhnliches für Männer- nach mehr Intimität und Sex sehnte, glaubte er abhängig von mir zu sein, von seiner Frau, die er liebte.

Er versuchte, mir dieses nicht zum Vorwurf zu machen, aber er tat es natürlich doch... Es ehrte ihn (und vielleicht auch mich), dass er nicht bei anderen Frauen suchte, was er vermisste. Ich hielt Sex einfach nie für so wichtig, freute mich, wie gesagt, nur noch von Zeit zu Zeit daran- manchmal auch ohne sein Beisein, wie ich zugeben muss.

Folglich sah er mich als eine natürliche Überlegene, weil ich ihm die Erfüllung seines Bedürfnisses nach Sexualität je nach Laune gewähren konnte oder aber nicht- wie meistens-. So gesehen war seine Sicht der Dinge, abhängig von mir zu sein, nicht ganz falsch. Als ich das hörte, war mein erster Gedanke, dass diese Ehe eben so ist, damit muss er klar kommen. Inzwischen und seid Langem schon wurde er damit aber nicht fertig, denn entgegen meiner Annahme, dass Männer solche Probleme irgendwie in Selbsthilfe lösen können, was vielleicht auf Männer zutreffen mag, die nicht jede Nacht neben einer Frau verbringen „müssen“, die sie begehren.
So ging alles viel tiefer bei ihm und entwickelte sich zu einer komplex- unerfüllten Sehnsucht nach seiner Frau, nach weiblicher Energie im Allgemeinen und dem Leben ansich, welches an ihm vorbeizuziehen drohte, wobei er bislang die Chancen verpasst hatte, mir davon zu berichten, weil er befürchtet hatte, mich damit unter Druck zu setzen und somit seinen Stand noch zu verschlechtern.
Das Thema beherrschte aber seine Gedanken mittlerweile „Tag und Nacht“, wie er mir gestand.
Ob er lieber getrennte Schlafzimmer wollte, damit die Anwesenheit seiner Frau ihn nicht mehr so reizte und quälte?
Nein, das wollte er natürlich schon gar nicht, das war absurd. Lieber leiden, als es nicht sehen. Nun, bei einer solchen, getrennten Lösung würde schließlich auch mir etwas fehlen. Was noch schlimmer schien war, dass er sich deshalb minderwertig fühlte, als ein Verlierer, weil er in diesem für ihn so wichtigen Lebensbereich keinerlei Erfüllung fand, ja nicht einmal einen Gesprächspartner. Und weil ich ihn „biologisch“ nicht anzuerkennen schien.
Wie er es sah, hielt ich nicht nur meine Schenkel meistenteils geschlossen für ihn, sondern ich hatte auch abgelehnt, mich mit den Blickwinkeln seiner männlichen Sexualität auseinanderzusetzen.
Das stimmte genau.
Ja, ich hatte bei dem Thema, wie ich jetzt bemerkte, Schuldgefühle.
Ich hatte einfach von Nichts diesbezüglich mehr etwas wissen wollen. Instinktiv spürten wir auf einmal beide, dass wir aus Bequemlichkeit im Umgang unsere (auch sinnlichen) Potentiale nicht ausschöpften. Dies betraf nicht nur den Sex, damit hätte ich leben können, denn er ist vielleicht nur ein Symbol, es betraf unsere Vertrautheit allgemein; sie war Routine geworden: Berufe, Kinder und Sport (ich reite und Achatz ist ein guter Langläufer) ließen uns wenig Spielraum- das Übliche für ein Ehepaar im "besten Alter".

Gefühle diesbezüglich können Männer in der Regel noch viel weniger ausdrücken als Frauen, die ihre Emotionen manchmal schneller in Worte geben als sie auftauchen.
Männer können dies aber am allerwenigsten gegenüber ihren eigenen Ehefrauen.
Dies ist offenbar ein weit verbreitetes Phänomen. Auf jeden Fall zeigte sich erst später im Gespräch wo der Hase hinlief. Ich war erschrocken, wie sehr mein Achatz unter unserem Beziehungsstatus litt, aber er hatte offenbar in langer Grübelei , von der ich nichts wusste, eine Lösung für unser Dilemma gefunden. Hierzu hatten wohl auch intensive Nachforschungen im Internet beigetragen

Er unterbreitete mir die Vorstellung von einer Ehe, in der die „Führung“ von der Frau ausging, also von mir. Er schlug mir vor, eine "Probezeit" auszumachen, in der ich bestimmen könnte, was und worüber ich wollte und wieviel ich wollte und er hätte zu „gehorchen“, mehr oder weniger bedingungslos. Ich war nicht unbedingt erschrocken, aber verwundert und versprach, darüber nach zu denken und beschloss jedoch, zunächst mehr über seine Hintergründe heraus zu finden. Was er damit meinte, und wie dies zu deuten war, wusste ich nämlich noch nicht.

Als Bedenkzeit bat ich mir mindestens 4 bis 6 Wochen.... Es begann alles also damit, dass ich das so entschied.

Doch die Zeit war noch nicht herum, da fergab sich wieder so ein Gespräch, diesmal mit mehr Betonung auf Sex. Männer haben offenbar ebenso wie Frauen ihre Zyklen und seine Gedanken und Ideen wechselten in Abhängigkeit von seinem aktuellen Sexualtrieb, der sein Denken und Fühlen um so stärker zu beeinflussen schien, je weiter er von der letzten sexuellen "Erleichterung" entfernt war. So wollte er unbedingt wieder Veränderungen seiner frustierenden Situation herbeiführen.

Da kam mir diese "Nuttenidee". Damit wollte ich eigentlich seine Gefühlslage auf den Punkt bringen oder karikieren, ich weiß es nicht. Ich spürte plötzlich eine "Macht", ihm eine Gelegenheit zu geben sich abzureagieren und gleichzeitig in Folge davon diese Diskussionen los sein; vor allem die Bereiche seiner Forderungen oder Wünsche, die ich für "daneben", abwegig oder wie immer man das bezeichnen möchte, hielt.

Aus diesem Grund hielt ich die Idee "mit der Küchentheke" für witzig und geschickt. Sie besagte, dass ich -wie eine Nutte- mich für ihn zur Verfügung stellte, ohne meine innere Beteiligung,-es sei denn ich hätte Lust darauf- mit der Bedingung, dass er mir nicht wehtäte natürlich. Es war in der Tat eine Sache, den "heiligen ehelichen" Verkehr zweier Liebender auf eine so neutrale und beinahe mechanische Ebene zu ziehen! Aber Achatz konnte im Bett immer so schwärmerisch und überschwenglich sein, und ich bin mehr so das Mädchen, das denkt: er sagt jetzt bloß deshalb so schöne Dinge zu mir, weil er f..... will, er meint es gar nicht so.

Das "mit der Küchentheke" war also tatsächlich mein Einfall, nach der Devise "Augen zu und durch" oder so ähnlich. Oder: jetzt zeigst du es ihm einmal.

Und: auch wenn meine Rolle äußerlich betrachtet dabei die der "Hingegebenen" und des "Objekts" war, ich fühlte mich -gerade bei diesem Akt- am Hebel der "Macht", wenn so ein Ausdruck passt und das machte es mir gleichzeitzig auch unheimlich. Denn Macht ....wollte ich gar nicht. Damals nicht.

So kam es, dass die sogenannte FLR, an der Achatz so interessiert ist, sich von diesem Tag in unsere Ehe schlich; mehr oder weniger. Und ohne, dass wir es gleich bemerkten.

(Text nach handschriftlichen Notizen von Amélie)

Kommentare:

Roswitha mit wissendem Verständnis und Güte hat gesagt…

Es ist eine sehr komplizierte Entstehungsgeschichte für Eure FLR-Ehe und es wäre nach so langer sexueller Dürreperiode auch nicht ungewöhnlich, wenn die Ehe an den sexuellen Gegenpolen gescheitert wäre. Die Resignation des Mannes gerade in sexuellen Dingen ist ja oftmals der Anfang vom Ende. Wäre da nicht die subjektive Auffassung (Achatz), dass kein Sex die übergeordnete Bestimmung der Frau (Amélie) ist, und wäre die Harmonie des Alltages abhanden gekommen, würde man wohl längst getrennte Wege gehen, wer weiß. Dennoch ist es wohl ein Krückstock, zugleich ein fraglicher Kunstgriff, die sexuelle Verweigerung oder Passivität der Frau als deren Machtausübung gegenüber dem sehnsüchtigen Mann zu verstehen, wenn schon keine aktive Dominanz ausgeübt wird. Es sieht von außen sehr danach aus und wenn der Mann darunter leidet, bestätigt das die These.

In Eurer Entstehungsgeschichte sind aber sehr interessante, subtile und feinsinnige Dialoge, die als vielversprechende Basis für den komplexen Prozess der Einführung weiblicher Dominanz, viel Tiefgang und somit ein positives Ergebnis erwarten lassen. Mit dieser intelligenten gegenseitigen Auseinandersetzung erwächst die bereits mehrmals zitierte tiefgehende Intimität und Vertrautheit zwischen Frau und Mann und eine wirklich enge Verbindung gerade auch in sexueller Hinsicht.

Von uns gesprochen, lag nach längerer Zeit des Belauerns und der schleichenden Abkühlung der sexuellen Flamme eine überfällige Unterhaltung über grundsätzliche Fragen unserer sexuellen Ausrichtung zu Grunde. Der Mann hatte resigniert, still und ohne es zugeben zu wollen, aber die Alarmglocken waren meinerseits nicht zu überhören. In der Debatte legte er ein Geständnis über seine jahrelange und seit der Pubertät entstandene Lust an weiblicher Dominanz ab. Heute weiß ich: Die Tränen die er vor lauter Sehnsucht dabei vergoss, waren die selben, die er mir gegenüber all die Jahre schon vergießen wollte, wenn ich ihm für seine Sehnsüchte den Hintern versohlen würde. Eine Galaxie von unbekannten Dinge eröffnete sich, als er mir durch die Beschreibung seiner wahren Sexualität einen Blick darauf anbot und mir Zugang in das Innere seines Kopfes gewährte – endlich. Es war als befände ich mich in einem großen Saal mit einer Bildergalerie, die vielerlei Erscheinungsformen von Fetischismus gepaart mit weiblicher ästhetischer Bestimmtheit zeigte. Nichts Ordinäres, eher stilistisch sehr ausgefeilte Figuren, Frauen, die zurecht auf einem Podest stehen, herrliche Geschöpfe mit einer drastischen und energischen Weiblichkeit am Leib. Freilich fanden sich darin auch die sich ständig wiederholenden Statussymbole weiblicher Herrschaft, woraus Frauen gerne und rasch das Klischee von Nutten und billigen Flittchen ableiten: hohe Hacken, Reizwäsche, kurze Röcke, pralle Dekolletes, aufgestylte, glamouröse Weibchen.

Als sinnliche Frau konnte ich mir einige Mechanismen in dem Männergehirn erklären und auch die Auswirkung jener gesteigerten Begehrlichkeiten als quälerische Sehnsucht bis hin zur Lust an der Unterwerfung. Meine erste Erkenntnis: Die für den Mann so lebenswichtig erscheinende Unterwerfung erlangt man als Frau nicht durch dumpfe hirnlose Strenge, Geschrei und Schläge. Wissendes Verständnis für den Mann, Güte und Sicherheit für seine Sehnsüchte sind zunächst die Grundstoffe zum Anrühren einer weiblich geführten Ehe, genauso wie eine intelligent geführte Kommunikation nicht nur im Hinblick auf Sex, sondern auch bei den Begegnungen im Alltag. Disziplin und Gehorsam, wovon er träumte, werde ich ihm schon auch beibringen, dachte ich, denn Strenge kannte ich genug von meiner eigenen Schulzeit. Nächste Erkenntnis: In mehrfacher Hinsicht war eine andere Gangart erforderlich, die sich Schritt für Schritt einschleichen sollte, nicht ihm zu liebe, sondern weil ich begriffen hatte, wie ich das Schicksal unserer Gemeinsamkeit ohne Nachteile für mich steuern konnte. Kummer und Eifersucht, Gleichgültigkeit des Mannes und Vernachlässigung, schwindende Liebe und Lust, davon war genug in den Beziehungen und Ehen im Freundeskreis. Ich hingegen konnte Maßnahmen ergreifen, die mich vor all diesen Verbitterungen bewahren konnten. In den Tränen des eigenen Mannes war eine ganz andere Zukunft zu lesen: Anbetung Verehrung, Respekt, Liebe und Lust. Die Gangart, mein Auftreten, änderte sich mit der Tendenz immer höherer Hacken, die mir ein lieb gewonnener Luxus wurden. Wie kurzsichtig oder engstirnig war ich einst gegenüber 12 Zentimeter, wenn sich andererseits damit Welten eröffneten. Auch die Gangart im Umgang mit dem Mann an sich konnte sich als scheinbar logische Konsequenz zu allen Umstellungen mehr und mehr ändern. Das wissende Verständnis, die Güte und die Gewissheit, dass der Mann angesichts der eingeführten Statussymbole keine Wahl hat, weil er eben um den Finger gewickelt ist, wirkte sich auf den Umgang aus, weil sich allein schon daraus seine Abhängigkeit entwickelte. Abhängigkeit entstand nicht nur wegen dem Geschlechtsakt, ob wann und wie, sondern schon in den Stadien weit zuvor wegen der Fetischismen. Aus dem Alltag ist pure Provokation geworden, worin ich kein Bitte und Danke brauche, weil ein kurzer Rock oder Nylons genügen, um den Mann in seinem Willen zu unterlaufen. Man könnte es fast mit sexueller Hörigkeit in Verbindung bringen, weil die Besessenheit des Mannes nach Straps und Stilettos so übermächtig seinen Willen beeinflusst, dass ich alles von ihm haben könnte. Diese Abhängigkeit bedeutet nun nicht, dass meinerseits stets mit schroffem Ton oder nur noch mit Kommandos gesprochen wird. Nein, es ist es vielfach eine liebevolle Heuchelei oder zärtlicher Zynismus, die den Mann dahinschmelzen lässt, in einer Art Sicherheitsgefühl, wie er sagt, von der Frau in ihren Strapsen und Stilettos bemuttert und nachsichtig über seine Erregungszustände von ihrem Schoß aufgenommen werden. Ganz zahm und gehorsam ist er dann, wenn ich ihn verführerisch schnurrend danach frage, ob er alles das an mir liebt. Aus dieser zugegeben rein sexuellen Abhängigkeit ergibt sich zum anderen aber auch die Möglichkeit der Schärfe und einer wirklich gebieterischen Strenge, wo es dem Mann durchaus zweierlei werden kann und letztendlich benutze ich ja auch meinen Rohrstock und andere Instrumente nicht zu knapp. Seit dem Beginn unserer Entwicklung besteht eine herrlich romantische, zartbittere Atmosphäre. Es liegt immer eine liebevolle Ungeduld und Skepsis in der Luft und wenn scharfsinnige Dialoge wechseln, entstehen wunderbar ambivalente Begegnungen, die eine Spannung aus Zuneigung und Strenge entstehen lassen. So entsteht oftmals schon ein nahezu blindes Verständnis und es genügt ein gestreckter Zeigefinger, ein strenger Blick oder ein kurzer resolut gefasster Text von mir, der mir den Mann absolut gefügig macht. Für ihn bedeutet das sein Himmelreich auf Erden und für mich ist es ein vergnüglicher Komfort, auch wenn es manchmal ziemlich feurige Abende für ungebührliches Verhalten gibt, weil sich die Abhängigkeit des Mannes rasch abnutzt. Dann bringe ich ihn wieder auf den Pfad der Tugend und ich sage nur - Hose runter - egal wofür. Wenn er mich später und alle Tage wieder begehrlich und verliebt ansieht, soll er immer daran denken, welchen Preis er für Straps und Stilettos zahlt, die besagten Tränen der Sehnsucht.

Achatz hat gesagt…

Ja, da sind interessante Gedanken in diesem Kommentar. Dank! Allerdings habe ich keinen Zweifel dass sexuelle Verweigerung der Frau oft ihre Machtausübung darstellt/ untermauert/ vorbereitet. Teil ihrer Machtausübung wird.Schließlich ist der Mann diesbezüglich angewiesen auf sie, wenn er loyal bleiben will- jedenfall ist das bei mir der Fall. Die Abhängigkeit macht es erst spannend. (Es gibt natürlich auch Männer die umgedreht ihre vernachlässigten Frauen manipulieren und sich als workoholics vor der weiblichen elementaren Lust drücken...).
In der Tat scheitern viele Ehen exact an dieser Stelle.
Die Schwierigkeiten sind nicht leicht zu lösen. Aber die FLR hat hier gewisse Chancen, keine Frage. Deshalb betreiben wir diesen Blog so gerne!

yoriador hat gesagt…

Hallo Achatz und Amélie,

schön, euer Weblog gefunden zu haben. Ich finde es sehr interessant und live. Gerade eure Schilderung aus der Sicht von Amélie hat mir viel zu denken gegeben.

Auch wir - ein Ehepaar in den sogenannten besten Jahren (58/44), seit 12 Jahren verheiratet - sind irgendwie auf dem Weg in eine FLR oder in eine FemDom-Beziehung, egal, wie man es auch immer nennen mag. Nur meine Frau ahnt noch nichts davon...

Seit ein paar Jahren sind mir (dank dem Internet) die Webseiten von Frau Misato, Lady Sutton, Lori Lancer und viele weitere gut bekannt. Ich wollte meine Vorstellungen von Weiblicher Dominanz gern mit meiner Frau teilen; ein paar zögerliche Versuche meinerseits brachten aber nichts.

Heute ist mir klar, dass meine Frau nur Puzzleteile mitbekam, die sie gar nicht richtig zusammensetzen konnte. Auch deshalb, weil mir einiges noch nicht bewusst war und ich selbst noch nicht wußte, wohin ich eigentlich wollte und ich auch manchmal Angst vor der eigenen Courage hatte.

Heute bin ich bereit, mir einzugestehen, dass das wahrscheinlich der einzige richtige Weg für uns ist, zumindest von meiner Seite aus. Wie sie darüber denkt, werde ich schließlich erst dann herausfinden, wenn ich ihr offen und ehrlich meine Gedanken und Gefühle mitgeteilt haben werde.

Ich habe so langsam begriffen, dass eine Frau durchaus Abneigung gegenüber physischem Sex haben kann und trotzdem einen Mann gern hat und gerne kuschelt, küsst, gern in den Arm genommen wird; dass überhaupt Sex für eine Frau bei weitem nicht so einen hohen Stellenwert hat wie bei Männern.

Ich glaube, ich habe - besonders durch Amélies Darstellung - viel besser als vorher verstanden, was (oder besser: was nicht) bei uns ablief.
Danke!

Achatz hat gesagt…

@yoriador: Danke für den Kommentar. Er ermutigt mich und ich hoffe, ich kann Amélie bewegen, weitere von Ihren Notizen für diesen Blog aufzubereiten, wie bereits geschehen.

Aus vielen -meist- amerikanischen Blogs weiß ich, dass es hilfreich sein kann, die Ehefrau mit den Texten von aroundherfinger.com an das Thema heranzuführen (ich habe deshalb eine Teilübersetzung hier eingestellt -27.07.07). Und zwar deshalb weil der "Kinki-" Bereich bewusst ausgespart bleibt. Dieser bleibt dem Paar selbst vorbehalten, denn: jedes Paar ist anders und FLR bedeutet auch in jeder Ehe möglicherweise etwas anderes.

Viel Erfolg weiterhin !

Roswitha hat gesagt…

Auch ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass Verweigerung der Frau ihre Machtausübung darstellt/ untermauert/ vorbereitet. Vielleicht bin ich hier gründlich missverstanden worden. Es ist meiner Auffassung nach so, dass die Bestimmung der Frau, wann, wie und ob Sex stattfindet ein ganz wesentlicher Teil ihrer Machtausübung innerhalb der Femdom/FLR-Ehe wird, auch die Ausübung der Kontrolle über den Mann, ob er sich unbeirrt an die verordnete sexuelle Enthaltsamkeit hält. Aber es gibt daneben auch noch andere Bereiche der Machtausübung wo die Frau durch aktive Vorgehensweisen in Erscheinung tritt und nicht nur durch die passive Handlung der Verweigerung ihre Dominanz gegenüber dem Mann ausübt.

Der Mann ist bezüglich der sexuellen Aktivitäten vollkommen angewiesen auf sie und diese Abhängigkeit macht es erst spannend, darf er oder darf er nicht, oder was muss er tun, um vielleicht zu dürfen? Darf er bis zu einem gewissen Grad um es dann aus erzieherischen Gründen abzubrechen, gibt es zur Strafe keinen Sex (so etwas wie Fahrverbot oder Hausarrest), und ist die Festlegung nicht ohnehin dergestalt, dass der Mann die Lust der Frau stillt und ihr zur Verfügung steht, während seine Lust zweitrangig ist? Oh ja, ein Mann, auch mein Mann, ist überraschend lernfähig, wenn es um seine Befriedigung geht. Wenn mir etwas an ihm nicht gefällt oder mir sein Gejammere um eine Erlösung auf die Nerven geht, gibt es ein gutes Rezept: „Noch ein Wort, und deine Erlaubnis bleibt eine Woche länger unter Verschluss!“ Wenn er das ein-, zweimal von erlebt hat, wird jeder Mann ganz unproblematisch in die entsprechende Marschrichtung der Frau einschwenken, denn daneben ist ja auch das Masturbieren strengstens verboten. Natürlich kann man dem Mann in der tristen Zeit der verordneten Keuschheit besonders einheizen mit der Medizin seiner eigenen Fetische (Männer sehen sich allzu gerne in der Opferrolle, egal ob Schnupfen, Halsschmerzen oder sexuelle Erregung, also kocht man ihm den Tee und achtet mit Fürsorge und Strenge, dass das Elixier eingenommen/wahrgenommen wird).

In der Zeit der Enthaltsamkeit und demütiger Sehnsucht wird er die Befehle der Frau aufmerksam empfangen – und ausführen um das „Nein“ oder das „Heute nicht, Schatz“ zu kippen. Männer werden durch eine Vorahnung für Sex zum unterwürfigen Verhalten getrieben und diese Vorahnung kann jede Frau an sich durch entsprechende Tricks und Raffinessen in ihrer Aufmachung nutzen und schüren. (Enthaltsamkeit kann sogar so weit gehen, dass ich ihn vor der Türe warten lasse, wo er weiß, dass ich dahinter nackt bin und ihm zur Strafe nicht einmal mehr erlaube mir beim An- oder Ausziehen behilflich zu sein. Das ist eine bittere Pille, weil ihm –zwar nur befristet- das Privileg entzogen ist, die nackten Brüste dabei zu sehen oder die Nylons an meinen Beinen berühren zu dürfen, weil er das gemeinsame Schlafzimmer oder das Badezimmer nicht ohne Erlaubnis betreten darf. Jeder Ehemann sollte es als Privileg verstehen, dass er der Auserwählte ist, der der angebeteten Frau so nahe kommen darf.

Die Folge der Enthaltsamkeit ist, dass er nur noch daran denken kann, wieder seinen Trieb nachgehen zu können und er wird die Frau mehr und mehr umsorgen. Ihr gilt seine ganze Aufmerksamkeit, denn nur von ihr kann er erlöst werden, wenn das „Nein“ gütiger Weise außer Kraft gesetzt wird. Er wird alles tun mit einem tiefen Gefühl der Sehnsucht einen Samenerguss haben zu dürfen. Man kann sich als Frau durchaus darüber amüsieren, insgeheim oder mit gelegentlicher spöttischer Ironie, wie sehr man den (armen) Mann erregen kann (was kann die Frau dafür, wenn er so sehr auf ihre Stilettos und Strapse steht, oder?). Ich arbeite still und hinterlistig daran und tue es mit freudigem Genuss, bis er förmlich zu platzen droht. Dabei begegne ich ihm mit viel weiblicher Fürsorge und Wärme mit Verständnis (liebevolle Ironie und Schadenfreude) für seine Erregungszustände (aber totale Strenge bei Unbeherrschtheiten). Zum anderen beschäme und tadele ich ihn, wenn er seine Erektion nicht steuern kann. Ich hingegen kann sie steuern.


Eine kleine Episode zur Abhängigkeit: Er kommt am Abend von der Arbeit nach Hause. Ich ziehe mich gerade um, als ich die Schlüssel in der Haustüre höre und eile halbnackt vom Bad über den Flur ins Schlafzimmer, trage nur eine Garnitur schwarze Spitzenwäsche und Nylons. Das ist sein erster Anblick, während ich ihm „hallo mein Schatz“ zurufe und rasch hinter der Türe verschwinde. Im Schlafzimmer vor dem Spiegel lege ich meine Perlenkette um den Hals, während er noch mit Mantel und Mappe im Türrahmen steht mit bewundernden Blicken und hungrigen Lauten. Seit exakt drei Wochen hatte er keinen Samenerguss. Der Mann kommt von hinten heran und schließt mir die Kette, dann drückt er sich verliebt an mich, seine Hände wandern von meinen Hüften empor, legen sich gierig um meine BH-Körbchen, streichen über die nackte Haut, er küsst mich in den Nacken und will immer mehr von meinem Busen, flüstert mir seine Begierde, fleht und bettelt nach Sex. Ich weise ihn sofort zurück, schimpfe über seine Unbeherrschtheit, entweiche seiner Umarmung und eile mit lautem Geklapper meiner Pumps um an der Kommode nebenan nach meinen Ohrringen zu suchen. Als ich gleich darauf zurückkomme und ihm im Türrahmen begegne, blickt er mich verstört an, während ich ihm mitteile, dass ich mich mit einer Freundin zum Essen treffe. Zurück im Schlafzimmer besprühe ich mich unter seinen ungläubigen Blicken mit süßherbem Parfum. Dann schlüpfe ich in das auf dem Bett bereitgelegte Kleid, eines meiner „Kleinen Schwarzen“. Gereizt und mit fordernder Stimme weise ich an, mir den Reißverschluss des Kleides zu schließen, weil er fassungslos zuschaut, anstatt mir behilflich zu sein. Ich höre nicht auf, sein Verhalten zu kritisieren, „was fällt dir ein, hm? Nur weil ich in Unterwäsche herumsause, ist das noch lange kein Grund, sich Sex einzubilden!“ Ich spreche von der Notwendigkeit, ihm seine Untugenden abzugewöhnen und frage nach, ob der Reißverschluss ordentlich zu ist. Mit einem Blick auf mein Bett beauftrage ich ihn, meine vorhin getragenen Sachen ordentlich aufzuräumen, Unterwäsche und Nylons sind zu waschen. Das kann er machen nachdem er mich in das Restaurant gebracht hat und hinterher kann er sich auch noch um die Küche kümmern. „Hast Du verstanden? Ja? Dann küss mich jetzt endlich.“ Ich lächle ihn an, während er die Aufforderung freudig befolgt und streiche ihm zärtlich übers Gesicht. Dann schreite ich voran, nehme meine Handtasche und erwarte schnippisch, dass er mir in den Mantel hilft. Während der Fahrt erzähle ich ihm von meinem Treffen mit Susanne. Er wundert sich, warum ich mich dafür so chic gemacht habe, worauf ich ihm zu verstehen gebe, dass wir uns in einer eleganten Bar treffen. Außerdem mache ich ihn darauf aufmerksam, dass er es war, der mir immerzu von Stilettos und Strapsen vorgeschwärmt hat, und frage ihn, ob ich ihm nicht gefalle. Damit ist er mit seiner Eifersucht (ist es nicht süß) abgeblitzt und beteuert mir, wie gut ich aussehe. Dann sind wir da. Zum Abschied küssen wir uns innig. Er wünscht mir viel Vergnügen. Ich antworte mit einem Lächeln und dem Versprechen, dass ich mir für seine Unbeherrschtheit noch etwas überlegen werde. Somit wird er mit viel Eifer seine Aufgaben erledigen, in der Hoffnung bei meiner Rückkehr belohnt zu werden. Er weiß natürlich noch nicht, dass ich längst entschieden habe, eine weitere Woche keine Erlaubnis zu bekommen. Ich eröffne es ihm vor dem Schlafengehen, während er erwartungsvoll vor mir an der Bettkante kniet und mir alle meine Sachen ausziehen darf. „Alles nur das nicht“ fleht er mich an. Er würde sich lieber mit dem Rohrstock abfinden, bietet er mir an. Den gibt’s obendrein sage ich, morgen, pünktlich um 20.15 Uhr erwarte ich ihn hier wo ich gerade sitze und dann möchte ich eine ausführliche Erklärung über sein Benehmen hören. Ich weiß es längst: Das wird eine wunderbare Liebeserklärung sein

Femdom ist doch gar nicht so schwer.

Man muss einfach die eigene Linie finden, sich auf seine Intuition zu verlassen und konsequent danach zu handeln, das ist wohl das schwerste für die beginnende Femdom-Frau. Es gibt eben keine Universal- Gebrauchsanleitung.

Einmal mehr Roswitha